Elke Salzmann
Die Künstlerin und Gründerin von tex art im Gespräch mit Petra Hintermayr

Sie sind gebürtige Salzburgerin und leben heute noch hier. Was bindet bzw. verbindet Sie mit dieser Stadt?
Diese Stadt hat für mich eine einzigartige Faszination: Altstadt – Kultur - Flair. Bereits morgens – am Weg zu meinem Atelier – freue ich mich darüber, wenn die Stadt zum Leben erwacht. Ich fahre über den Müllner Hügel, vor mir liegen Festung und Salzach in einem Gemisch aus Sonne und Nebel. Das ist für mich Heimat. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich nirgends anders sein möchte.
Wann haben Sie Ihre Leidenschaft zur Textilkunst zum ersten Mal entdeckt?
Meine Mama ist Schneidermeisterin. Ich bin also schon von klein auf vertraut gewesen mit textilem Material. Meine Babywippe war immer in der Nähe der Nähmaschine – das gleichmäßige Surren hat mich in den Schlaf gewogen. Bereits als Kind habe ich für meine Puppen Bikinis gehäkelt – ein Modell habe ich heute noch.
Für welchen Ausbildungsweg haben Sie sich entschieden?
Ich habe die Modeschule in Hallein bei Salzburg besucht und parallel dazu schon immer Kleidung genäht – frei Hand. Die Stellung als Modellassistentin danach war mir zu wenig kreativ. Worauf ich das Studium „Textile Kunsterziehung“ am Mozarteum besuchte. Nach meinem Universitätsabschluss war ich für Red Bull tätig. Ich hatte die herausfordernde Aufgabe und Pionierarbeit einer Produkteinführung.
Wie ist die Idee, die Künstlerinnen-Gruppe tex art zu gründen, entstanden?
Das war eine „Blitzidee“ – in einer Neuorientierungsphase. tex art habe ich in kurzer Zeit – in nur ca. 2 Monaten – mit einer vehementen Konsequenz gegründet. Ich war viel unterwegs, auf der Suche nach geeigneten Künstlerinnen. Ich besuchte Universitäten, Textil- und Kunstmessen, habe Künstlerinnen angesprochen. An der Kunstuni in Linz wurde ich dann „fündig“. Ich führte Expertengespräche mit Architekten, erhob Marktanalysen und habe mir ein Netzwerk aus Lieferanten, Tischlern, Schlossern und Werbepartnern aufgebaut.
Was liegt Ihnen, als Gründerin von tex art, besonders am Herzen?
Es ist mir ein besonderes Anliegen, der stark weiblich charakterisierten Textilen Kunst einen höheren Stellenwert einzuräumen. Wie ist mein Zugang dazu? Im Rahmen von Kunst am Bau Projekten implementiere ich großformatige Arbeiten im öffentlichen Raum. Mein Wunsch ist ein zeitgemäßes, modernes Image für die Textilkunst. Ich definiere Textile Kunst am Bau als Teil des architektonischen Gesamtkonzeptes und möchte hier nachhaltig wirksame Akzente setzen.
Sie sind ja selbst Textilkünstlerin. Was zeichnet die Künstlerin Elke Salzmann aus?
Ich liebe geradliniges Arbeiten. Auch in meiner Persönlichkeit strebe ich Geradlinigkeit an. Ich bin eine Verfechterin des Purismus. Weniger ist mehr. Der Clou dabei: In diesen „klaren Perfektionismus“ setze ich ganz bewusst einen markanten Akzent – quasi einen integrierten „Störfaktor“.
Ich hege generell eine besondere Leidenschaft zur Kunst, zu textilen Materialien und zu Strukturen. Ich liebe es Räume zu verändern, diese zu beeinflussen und nachhaltige Spuren zu hinterlassen.
Welche Textilkunst-Techniken wenden Sie an?
Ich habe mich nicht auf eine Textilkunst-Technik spezialisiert. Dennoch zeichnen sich für mich zwei Schwerpunkte ab. Zum ersten sind das genähte Filzobjekte: Mein favorisiertes Material ist Filz, genäht und bemalt. Mein zweiter neuer Technik-Schwerpunkt ist bislang einzigartig: glasfaserverstärkter Kunststoff (mit Glasfaser ummantelte Kunststoff-Schläuche). Dieser ist formbar und auch für den Außenbereich geeignet.
tex art ist im Bereich „Kunst am Bau“ erfolgreich tätig. Wie bringen Sie sich hier persönlich ein?
Ich verfüge über ein sehr gutes Raumgefühl und kann mich gut in die Nutzer dieser Räume „einspüren“. Was brauchen die Menschen dort? Was fehlt ihnen? Organisation ist eine meiner Kernkompetenzen, den Überblick bewahren, Koordinationsstelle zu sein. Bei mir laufen alle Fäden zusammen. Ich bin quasi das Bindeglied zwischen Kunst, Wirtschaft und Bürokratie sowie Sprachrohr und Übersetzer für Nichtkünstler.
Welche der Kunst am Bau Projekte sind Ihrer Meinung nach richtungsweisend?
- Mozarteum (2006): Gestaltung großformatiger Textilflächen mit versteckter Akustikmaßnahme. Textile Kunst, die den Aspekten Ästhetik und Funktionalität gleichermaßen gerecht wird. Die Installation einzigartiger Textilkunst mit „unsichtbarer“ Funktion.
- Architektenhaus in Taxach-Rif (2010): Die individuell-einzigartige Außengestaltung impliziert ein provokantes Erscheinungsbild. Künstlerisch einzigartig gestaltete Fassadenplatten.
- Landesmusikschule St. Georgen im Attergau (2011): Kunst in Kombination mit Lichtinstallation. Freihängende 6 ½ Meter hohe Boden-Decken-Verbindungen – über 2 Geschoße hinweg - rhythmisch gesteuerte Farbverläufe.
Sie haben auch bereits Kunst am Bau-Wettbewerbe gewonnen. Welche Ihrer Entwürfe wurden dafür prämiert?
- Landesmusikschule St. Georgen im Attergau (2010): Glasfaserverstärkte Installation von mir – Elke Salzmann – mit dem Titel „in-verbindung“. Gestaltet wurde hier ein offenes Treppenhaus.
- Bezirksseniorenheim Gramastetten (2010): Prämiert wurde mein Entwurf mit dem Titel: „Upper Austrian Summer“. Ein Orientierungssystem für das Seniorenheim mittels Farbe und Symbolik. Grafische Gestaltung für eine Folienlösung.
tex art ist jetzt bereits im 10. Unternehmerjahr. Was sind Ihre Visionen für die Zukunft?
Meine Vision liegt im grenzüberschreitenden Arbeiten. Ziel ist es, nicht nur geografische Grenzen zu überwinden, sondern auch materielle: Ich möchte die Grenzen der Materialien und der Medien (Licht, Glas) durchbrechen, über die Grenzen der Textilkunst hinaus wirken und eine Kunst schaffen – über den „Tellerrand“ hinaus.
Mit den Jahren habe ich mehr Mut bekommen, eine Kunst zu etablieren, die zum Denken anregt und dem Betrachter die „Auseinandersetzung“ mit Kunst ermöglicht. Für mich ist jeder Betrachter Teil der Kunst. Auch Sie!
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